Voller Urlaubsanspruch bis zum Wechsel in Teilzeitarbeitsverhältnis

Voller Urlaubsanspruch bis zum Wechsel in Teilzeitarbeitsverhältnis

Veränderung des Urlaubsanspruchs beim Wechsel von Voll- in Teilzeit

Ein Arbeitnehmer wechselt sein Arbeitszeitmodell und die Stunden werden von Vollzeit auf Teilzeit reduziert. Wird in diesem Fall der komplette Urlaubsanspruch auf die neue Arbeitszeit angepasst?

Urlaubsanspruch nach Teilzeitarbeitsverhältnis

Zu dieser Frage gibt es einen Urteilsspruch des Europäischen Gerichtshofs EuGH.
Das Urteil besagt, dass für die Zeit der Vollbeschäftigung auch der Urlaubsanspruch aus der Vollbeschäftigung besteht. Diesen Anspruch hat der Arbeitnehmer unabhängig davon, ob er den Urlaub in der Vollzeit- oder in der Teilzeitphase nimmt.

Errechnung des Urlaubsanspruchs beim Wechsel von Voll- in Teilzeit

Das folgende Rechenbeispiel zeigt, wie sich der Urlaubsanspruch bei einem Wechsel verändert:

Ein Arbeitnehmer arbeitet zunächst in Vollzeit und hat Anspruch auf 30 Tage Urlaub, das entspricht sechs Wochen.

In der zweiten Jahreshälfte reduziert er seine Arbeitszeit von fünf Tagen auf drei Tage in der Woche, also auf 60% seiner ursprünglichen Zeit. Damit verringert sich auch sein jährlicher Urlaubsanspruch um 60% auf 18 Tage – dies entspricht ebenso sechs Wochen.

Der Arbeitnehmer hatte also im ersten Halbjahr Anspruch auf 15 Urlaubstage, im zweiten auf neun.

Was passiert, wenn er seine 15 Tage Urlaub im ersten Halbjahr noch nicht genommen hat? Reduziert sich der Anspruch auf insgesamt 18 Tage?

Nein, so der EuGH. Der Arbeitnehmer behält die vollen 15 Tage, die er sich im ersten Halbjahr erarbeitet hat. Diese entsprechen nach dem Wechsel fünf Wochen und nicht mehr drei wie bei einer Vollzeitbeschäftigung.

Zusätzlich bekommt er die neun Tage aus dem zweiten Halbjahr gutgeschrieben. Insgesamt hat er damit einen Urlaubsanspruch von insgesamt 24 Tagen, also acht Wochen. Auch das Urlaubsgeld passt sich entsprechend an. Der Arbeitnehmer bekommt für die 15 Tage das Gehalt aus der Vollbeschäftigung.

Begründung des EuGH

Der EuGH begründet seine Entscheidung damit, dass der Arbeitnehmer sich diesen Urlaubsanspruch bereits erarbeitet hat. Damit hat er das Recht auf diese freien Tage zur Erholung, auch wenn sich diese in einem anderen Zeitraum befinden.

Dennoch ist es dem Arbeitnehmer nicht generell möglich, auf diese Art ein paar Extra-Urlaubswochen zu erhalten. Dieses Gerichtsurteil greift nur, wenn der Arbeitnehmer keine Möglichkeit hatte, seinen anteiligen Vollzeiturlaub im Zeitraum der Vollbeschäftigung zu nehmen.

In der Praxis tritt diese Fragestellung häufig auf, wenn ein Arbeitnehmer in Elternzeit geht und danach als Teilzeitkraft zurückkommt. Er sollte seinen Urlaub vor Antritt der Elternzeit komplett nehmen oder ausbezahlen lässt. Beantragt der Arbeitnehmer dies nicht in der Zeit der Vollbeschäftigung, ist es ratsam, dass Arbeitgeber ihn explizit dazu auffordert.

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