Talent Management Software: SAP kauft SuccessFactors, Oracle will Taleo.

Talent Management Software: SAP kauft SuccessFactors, Oracle will Taleo.

Der Markt für Talent Management Software verändert sich im Zuge des allgemeinen Cloud-Hypes. Die traditionellen Big Player wie SAP und Oracle kaufen Cloud-Anbieter wie wild dazu – speziell im Bereich HR / Talent Management. SAP möchte SuccessFactors übernehmen, Oracle kontert mit einem Übernahmeangebot für Taleo und Salesforce übernimmt den vergleichsweise kleinen HR Software Spezialisten Rypple (ca. 350 Kunden).

Bevor es ins Detail geht, ein paar Definitionen.

Was ist Talent Management?

Durch Personalentwicklungs-Maßnahmen sollen Talente in der Belegschaft identifiziert, gezielt gefördert und angesichts des „War for Talents“  für das eigene Unternehmen gebunden werden. Manchmal wird die Definition auch weiter gefasst, indem die Personalbeschaffung – also das sog. Recruiting – einbezogen wird.

Was ist Cloud Software?

Das bedeutet, dass die Software nicht mehr auf eigener Hardware (PC, Server etc.) installiert wird, sondern idR durch einen Dienstleister (Provider) extern betrieben wird. Man erwirbt also keine klassische Software-Lizenz, sondern mietet die Applikation, sog.  „Software as a service (SaaS)“.

Der Markt für Talent Management Software

International (genauer in USA, Südamerika & Europa) gibt es eigentlich nur 2 Anbieter, die relevant sind, nämlich SuccessFactors und Taleo. Wobei Taleo eher im e-Recruiting und SuccessFactors besser im Talent Management (und dort im Bereich Zielvereinbarung, Gehaltsentwicklung und Prämien) aufgestellt ist. Mit Good Will kann man im internationalen Umfeld noch Lumesse (ehemals Stepstone Solutions bzw. Executrack) dazu zählen.

Taleo spielt in D-A-CH eigentlich nur bei international tätigen Unternehmen eine Rolle, insbesondere bei US amerikanischen Niederlassungen in D-A-CH. Ähnlich auch bei SuccessFactors. In D-A-CH haben die schnell gewachsenen US Companies häufig Probleme mit der Mentalität – vgl. auch unseren Artikel Xing vs LinkedIn.

Wird sich die Marktstellung in D-A-CH im Bereich Talent Management und e-Recruiting für die übernommenen Software Companies verstärken?  Denken wir z.B. an die damalige Peoplesoft, die vor einigen Jahren von Oracle aufgekauft wurden. Durch die Oracle-Übernahme hat sich die damals gute Marktplatzierung der Peoplesoft HR Software verschlechtert – eigentlich ist Oracle mit HR Lösungen in D-A-CH außerhalb US-amerikanischer Tochterfirmen unsichtbar.

Demnach könnte sich die Position von spezialisierten Talent Management Software Anbietern aus dem D-A-CH Gebiet durch die anstehenden Übernahmen sogar verstärken. Die Zahl solcher Anbieter ist recht überschaubar, zu nennen wären beispielsweise Lumesse, das Talent Management von rexx systems oder auch die Schweizer Umantis. Alle drei sind originäre Cloud / Saas Anbieter – teilweise auch mit der Möglichkeit zur Lizenzinstallation auf kundeneigenen Servern. Möglicherweise profitieren diese DACH Unternehmen von der Tatsache, dass ihre Lösungen im Vergleich zu den Anbietern aus USA besser an die HR Prozesse im deutschsprachigen Markt angepasst und oftmals kostengünstiger sind.

Die Übernahmeangebote: Zahlen im Überblick

SAP möchte den Talent Management Anbieter SuccesFactors übernehmen
SAP kauft SuccessFactors

SAP – SuccessFactors

Rund 3,4 Milliarden Dollar zahlt SAP für die Akquisition des Softwarehauses SuccessFactors, die ca. 3.500 Kunden – überwiegend aus USA – sowie 1.450 Mitarbeiter mitbringen.

 

 

Aber auch europäische Groß-Kaliber wie Siemens weltweit gehören zum SuccessFactors Kundenstamm.

In den ersten neun Monaten 2011 lag der SuccessFactors Umsatz bei 232 Mio. US$ mit einem Verlust von rund 31 Mio. US$. Bei linearer Hochrechnung würden sich für das Gesamtjahr 2011 ca. 309 Mio US$ Umsatz und ein Verlust von ca.  41 Mio US$ ergeben. Das entspräche einer Umsatzsteigerung von knapp 50 % aber auch einer Steigerung des Verlustes um über 300% (2010:  206 Mio. US$, Verlust 12,5 Mio. US$), vgl. Zahlen SuccessFactors.

Die Ankündigung zum Kauf stammt vom 05.12.2011. Damit würde SAP in der Cloud ein starke Kundenbasis erwerben, denn die eigene Cloud-Lösung Business byDesign konnte sich bis dato nicht recht durchsetzen. Auch gelingt SAP damit möglicherweise eine Stärkung im Sektor HR, denn aktuell nutzen nur vergleichsweise wenige der ca. 13.000 SAP Kunden die HR Software von SAP. Andererseits ist der Preis für SuccessFaktors relativ hoch, wenn man die deutlich roten Zahlen des Talent Management Anbieters bedenkt.

Oracle will Taleo übernehmen
Oracle möchte Taleo schlucken

Oracle – Taleo

Oracle bietet 1,9 Milliarden US Dollar für Taleo. Taleo hat nach Eigenangabe mehr als 5.000 Kunden und ca. 1.400 Mitarbeiter. Angekündigt wurde die Übernahme am 09.02.2012. Der Umsatz f. 2011 betrug 309 Million US$ mit einem Wachstum von 30% versus Vorjahr, Taleo Fiscal Report 2011.

 

Auch Taleo weist Verluste aus, die mit 2 Cent je Aktie angegeben werden (entspricht dem Verlust f.d. Geschäftsjahr 2010), was bei „ca.  41.4 million basic weighted average shares outstanding“ (vgl. oben) einem Verlust von ca. 828.0o0 US$ ergäbe. Damit wäre Taleo trotz leicht roter Zahlen weitaus „profitabler“ als SuccessFactors. Allerdings dürfte Taleo selbst noch an der 38 Mio. US$ teuren Übernahme des britischen Unternehmens Jobpartners werkeln, die Ende 2011 erfolgte.

Die Übernahme von Taleo durch Oracle soll Mitte 2012 abgeschlossen sein – mal schauen, ob es Taleo wie einst PeopleSoft ergeht, oder ob sie ihre Marktposition im Talentmanagement bzw. e-Recruiting behalten können.

Lest auch unser Update: IBM kauft Kenexa

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